Abba, Queen und Harry Potter

Ein Nachbericht von Anke Holgersson für die Dürener Zeitung

 

Wie jetzt? Abba auf der Kirchenorgel? Richtig gehört. Michael Schütz schreibt Cover-Versionen berühmter Pop- und Filmmusik-Klassiker für die Orgel. Dieses musikalische Experiment, wie Schütz selbst seine Arrangements nennt, wollten am Samstagabend etwa 200 Menschen erleben. Sie kamen in die Christuskirche, um Liedern von Abba, den Beatles, von Sting, Queen und anderen Rock- und Popikonen sowie Filmmusik-Kompositionen zu lauschen. Nur eben auf der der großen Steinmeyer-Orgel. Mit ihren vier Manualen und Pedal, mit den 4659 Pfeifen und ihrer Höhe von 12 Metern ist sie das größte Musikinstrument zwischen Köln und Aachen.

Michael Schütz, Organist und Pianist, Komponist und Arrangeur aus Berlin führte sein Publikum nicht nur musikalisch meisterhaft durch die Popularmusik der letzten fünfzig Jahre. Zwischen den Stücken erklärte er immer wieder Besonderheiten in der Musik oder in der Entstehungsgeschichte eines Stückes.

Popmusik, so erklärte Schütz, der lange Zeit einen Lehrauftrag für Popularmusik an der Universität der Künste Berlin innehatte, sei nicht nur heiter, sondern transportiere auch oft den Schatten, die Zweifel und Hilferufe. Viele der Stücke aus seinem Repertoire schlagen diese ernsten Töne an, so wie „SOS“ von Abba, der Queen-Song „Bohemian Rhapsody“ oder das Lied „Russians“, in dem Sting an den Wunsch aller Menschen nach einer friedlichen Zukunft für ihre Kinder erinnert. In diesen Cover-Versionen kommen die besonderen Möglichkeiten der Orgel besonders gut zur Geltung. Vielschichtig sind diese Bearbeitungen, gut aufgebaut in ihrem Wechsel von leisen zu lauten Passagen.

„Ich habe weder Schlagzeug, noch Gitarre oder gar Gesang“, erläuterte Schütz. „Ich setze mein Instrument, die Orgel, so ein, dass die jeweilige Stimmung eines Musikstückes nachempfunden wird.“

Das gelang Schütz ganz besonders gut bei seinen Adaptionen von Filmmusik-Melodien. „Hedwigs´s Theme“ etwa aus dem Film „Harry Potter“ wurde unter den Händen von Schütz zu einem beeindruckenden Sound-Erlebnis mit sattem und doch transparentem Klang. Auch das Haupt-Thema aus dem James Bond-Film „Goldfinger“ passte so gut zu der Steinmeyer-Orgel, dass man hätte meinen können, es sei von Anfang an für dieses Instrument geschrieben worden.

Höhepunkt des Abends war die Aufführung des Songs „He’s a Pirat“ aus dem Film „Pirates of the Caribbean“. Schütz erklärte die musikalische Raffinesse der Originalkomposition und zeigte auf, wie er die Flöten und Celli aus dieser Vorlage für die Orgel umgesetzt hat. In einem Arrangement nämlich, in dem er alle tiefen und hohen Instrumente gleichzeitig spiele, was sehr schwierig sei. „Keine Sorge“ beruhigte er das Publikum. „Ich hab’s geübt.“

Für seine beeindruckende One-Man-Band-Show an der Kirchenorgel erhielt Michael Schütz zum Schluss Standing Ovations. Er bedankte sich mit einer Zugabe, die dafür sorgte, dass das Publikum mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause gehen konnte. Es erklang nämlich die Erkennungsmelodie aus der „Sendung mit der Maus“ auf der Dürener Kirchenorgel.

Foto: Anke Holgersson